Die Targa Florio

Die Geschichte der Autorennen und des Motorsports reicht auf die Zeit um 1900 zurück, als die ersten Besitzer von Kraftfahrzeugen sich den Wettfahrten verschrieben. Die Targa Florio, ausgetragen in Sizilien, ist das älteste Sportwagenrennen, das von seiner Gründung 1906 bis zu seiner Auflösung als Langstreckenrennen im Jahr 1977 sowohl zahlreichen Rennfahrern berühmte Siege einbrachte als auch Automobilherstellern zu internationalen Markennamen höchster Qualität verhalf, die bis in die Gegenwart reichen.

Targa_Florio

Die Targa Florio – das älteste Sportwagenrennen in Europa

Im Jahr 1906 gründete der italienische Weinunternehmer und Automobil-Enthusiast Vincenzo Florio Junior die Targa Florio als jährliches Langstreckenrennen über die Bergstraßen in und um Sizilien. Aufgrund seiner Straßenlage, den zahlreichen schmalen Kurven, dem Zustand der Bergstraßen sowie dem Klimawechsel galt das Rennen Targa Florio als einer der härtesten Wettbewerbe und größte Herausforderung in Europa. Das erste Rennen begann am 06. Mai 1906 um sechs Uhr morgens mit 10 Fahrzeugen auf einer Rundstrecke von 148 Kilometern rund um die Insel. In drei Runden auf 277 Meilen gewann die erste Targa Florio Alessandro Cagno mit einem Itala 35/40 HP in einer Zeit von 9 Stunden und mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 29 mph (50 km/h). Bis in die Zwanziger Jahre nach 1900 galt die Targa Florio als das bedeutendste Sportwagenrennen. Die 24-Stunden-Rennen von Le Mans und die Mille Miglia in Norditalien waren noch nicht existent und die Grand-Prix-Rennen des Autosports noch in der Entwicklungsphase.

Strecken, Gewinner und Automobilhersteller auf der Targa Florio

Die Strecken der Targa Florio führten über die Straßen der Gebirgskette Le Madonie, die jedoch mit den verschiedenen Epochen des Rennens zunehmend verändert bzw. gekürzt wurden. Die ursprüngliche Variante Grande Madonie mit über 148 Kilometern glich einer Inselrundfahrt, die von 1906 bis zum Jahr 1911 und im Jahr 1931 wiederholt gefahren wurde. Sieger dieser Zeit waren Alessandro Cagno im Jahr 1906 mit einem Itala 35/40 HP, Felice Nazzaro im Jahr 1907 mit einem Fiat 28/40 HP sowie im Jahr 1913 mit dem Nazzaro Tipo 2 seiner eigenen Produktion, in 1908 Vincenzo Trucco mit Isotta Franschini, 1909 Francesco Ciuppa mit einem SPA sowie Tullio Cariolato mit einem Franco Automobili im Jahr 1910. Der Automobilhersteller Societa Ceirano Automobili Torino (SCAT) gewann mit seinen Fahrzeugen die Targa Florio in den Jahren 1911 mit Ernesto Ceirano, im Jahr 1912 mit dem Rennfahrer Cyril Snipe sowie 1914 mit Ernesto Ceirano. Die auf 108 km gekürzte Route Madonie Medio führte in den Jahren 1919 bis 1930 von Cerda über Caltavuturo, Polizzi, Collesano und Campofelice. In diesen Jahren siegten auf der Targa Florio erstmals die Automarken Peugeot im Jahr 1919 mit Fahrer André Boillot, Mercedes mit einem GP/14 unter Giulio Masetti, Alfa Romeo mit dem RL im Jahr 1923 mit Ugo Sivocci und Bugatti im Jahr 1925 mit einem T35 unter dem Rennfahrer Bartolomeo „Meo“ Costantini. Die Route Circuito delle Madonie Piccolo über 72 km führte von Cerde über das 500 Meter hoch gelegene Caltavuturo nach Collesano bis nach Campofelice di Roccella und über die Küstengerade zurück nach Cerde. Diese Strecke wurde von 1932 bis 1936 sowie 1951 bis 1977 gefahren. In den folgenden Jahren gewannen weitere auch heute noch bestehende Automobilmarken wie Lancia 1936 mit Constantino Magistri, Maserati erstmals im Jahr 1937 unter dem Fahrer Giulio Severi sowie Ferrari nach dem 2. Weltkrieg im Jahr 1948 mit einem 166 unter Clemente Biondetti und Prince Igor Nikolajewitsch Troubetzkoy, der zu dieser Zeit mit Barbara Hutton verheiratet war. Von 1955 bis 1973 Teil der World Sportscar Championship gesellte sich zu den Siegern der Targa Florio erstmals auch Porsche mit einem 550 im Jahr 1956 mit den Fahrern Umberto Maglioli und dem deutschen Fritz Sittig Enno Werner von Hanstein hinzu. Nach seinen Erfolgen auf der Targa Florio benannte Porsche seine Cabrio Modelle mit Überrollbügel 911 und 912 “Targa”.

Das letzte Rennen der Targa Florio im Jahr 1977

Aufgrund der risikoreichen Strecken über Serpentinen Kurven, Berghängen, Felsen, offenen und holprigen Straßen, die mit Menschen, Zuschauern und Tieren gefüllt waren, blieb es trotz Testrunden und Vorsichtsmaßnahmen unumgänglich, dass es zu zahlreichen Unfällen und Todesfällen kam. Im Jahr 1974 wurde der Targa Florio aus Sicherheitsgründen der WM Status entzogen und zunächst als nationale Meisterschaft weitergeführt. Im Jahr 1977 wurden während des Sportwagenrennens 2 Zuschauer getötet sowie 5 weitere darunter auch Rennfahrer schwer verletzt. Das Rennen wurde in der 4. Runde unterbrochen und die Targa Florio in dieser Form für immer beendet. Seit 1978 wird die Targa Florio als Rally fortgeführt.

One Response to Die Targa Florio

  1. Mann muss sich die gefahrene Strecke mal ansehen um ein Gefühl zu bekommen, was die Fahrer auf der Targa Florio geleistet haben. Touristisch ist die Strecke toll, im Renntempo möchte ich aber nicht über diese Strassen fahren. Sturzräume sind da definitiv Fehlanzeige. Der Belag ist teilweise holperig. Auf der Naturstrasse wird das sicher nicht besser gewesen sein.

    Stephan Wagner 17. November 2015 at 18:19 Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Die Targa Florio

Die Geschichte der Autorennen und des Motorsports reicht auf die Zeit um 1900 zurück, als die ersten Besitzer von Kraftfahrzeugen sich den Wettfahrten verschrieben. Die Targa Florio, ausgetragen in Sizilien, ist das älteste Sportwagenrennen, das von seiner Gründung 1906 bis zu seiner Auflösung als Langstreckenrennen im Jahr 1977 sowohl zahlreichen Rennfahrern berühmte Siege einbrachte als […]